4 Sylter Sportvereine gründeten im Jahr 2002 das „Team Sylt“

 

Heißen Fußballclubs, die im letzten Jahrhundert auf die Welt kamen, „FC“ oder „TSV“, so muss sich ein im 3. Jahrtausend geborener Verein einen moderneren Namen geben. Zudem dürfte kaum ein deutschsprachiger Begriff so gut ausdrücken können, worum es auf Sylt ging.

 

Mit der Jugend fing es an

Waren sich noch bis vor gut einem Jahr die Sylter Fußballclubs nicht grün und kämpften um jeden talentierten Kicker, damit ihr Verein auf Sylt die Nr. 1 ist, so hat sich dies heute grundsätzlich geändert. Sylter spielen seit dem Jahr 2002 gemeinsam im „Team Sylt“ Fußball. Mit gemeinsamen Fahrten der Jugend-Kreisauswahlspieler begann die Sylter Rasensolidarität. Dabei entstand unter den Verantwortlichen die Idee, einmal als Sylter Team zu einem Turnier zu fahren. Den DANA-CUP, das zweitgrößte Jugendfußballturnier oben in Dänemark hatten sich die Verantwortlichen der U 12 dafür ausgesucht. Dies wurde ein großer Erfolg. Fing man erst einmal an, gemeinsame Interessen zu entdecken, so war der Gedanke, eine leistungsstarke Sylter Jugendmannschaft zu bilden, nicht weit. Aber warum nur eine? Die Vertreter vom TSV Morsum, vom TSV Tinnum 66, von den Sportfreunden List sowie vom TSV Westerland setzten sich in diversen Sitzungen zusammen und waren sich schnell einig, dass die A-, B- und C-Jugend in der Saison 2001/2002 die Farben ganz Sylts tragen sollten.

 

Vorteile über Vorteile

Die Vorteile lagen allen auf der Hand: Endlich konnte man wieder alle Jugendklassen mit Großfeldmannschaften besetzen, eine Leistungssteigerung war zu erwarten, Jugendspieler, die entnervende Fahrtzeiten zu Festlandsclubs auf sich nehmen mussten, konnten nun wieder integriert werden, eine Kostenminimierung war durch das Zusammenlegen der Mannschaften und durch das gemeinsame Nutzen der Trainer, Betreuer, Busse, Sportanlagen und der Ausrüstung zu erwarten. Und: Die Trainer mussten nicht mehr hinter ihren Sportlern hertelefonierten, um Mannschaften vollzählig antreten lassen zu können. Trainingseinsatz und fußballerische Leistung sollten sich wieder lohnen.

Die Probleme, die aus altem Vereinsdenken und kommunaler Kirchturmspolitik aufgebaut worden waren, fielen schnell. Auch einen Namen fanden die Jugendlichen schnell für ihren Club: „Team Sylt“.

Nur ein Hindernis gab es noch: Die verschiedenen Herrenmannschaften würden sich später um die talentierten Fußballjugendlichen streiten, denn schließlich hatten alle Seniorenteams Schwierigkeiten, eine ausreichende Anzahl an jungen Fußballern zu finden. Vorsichtig flüsternd wagte man nun eine Revolution: Wir wollen in allen Altersklassen zusammenrücken. Es soll nur noch einen Fußballclub für alle Sylter geben.

 

Der VfB Stuttgart wird Taufpate

Eine fußballerische Herausforderung unterstützte dieses Vorhaben: Der VfB Stuttgart wollte im Sommer 2001 gegen eine gemeinsame Sylter Herrenmannschaft antreten. Die Stuttgarter Nachrichten schrieben über die Partie: „Als der Halbzeitpfiff des Unparteiischen ertönte, riss der Keeper des Team Sylt die Arme hoch, als wäre seine Elf gerade von der Bezirks- in die Landesliga aufgestiegen. Der Grund war aber ein anderer: Nach 45 Minuten stand die Partie zwischen der Nordfriesentruppe und dem VfB Stuttgart immer noch 0:0.“ Letztendlich endete die Begegnung mit einem 0:3, aber das machte nichts. Spieler und Zuschauer hatten gesehen, dass es besser ging, wenn alle Sylter gemeinsame Sache machten.

 

Team Sylt spart Geld und ist ein Erfolgsmodell

In der Punkterunde 2001/2002 traten die Sylter Fußballer wieder als TSV Westerland in der Bezirksliga und als SG Tinnum/Morsum in der Kreisliga an. Als die Bezirksligaelf in konkrete Abstiegsnot geriet, wurden einvernehmlich Spieler ausgetauscht. Die Maßnahme zeigte schnellen Erfolg.

In die Saison 2002/2003 gingen die Sylter Fußballer vereint im neuen Verein
„Team Sylt“ mit 14 Jugend- und 4 Seniorenteams an den Start. Die fußballerische Aufbauarbeit gelang famos: Die 1. Herrenmannschaft
spielt heute in der Bezirksoberliga. Team Sylt besitzt inzwischen 17 Jungen-Mannschaften, 8 Mädchen-Teams, 3 Herren– und eine Frauen-Mannschaft und erhält von den Muttervereinen keine höheren Beiträge als zur Gründungszeit.

Die Hoffnung auf eine gute Fußballzukunft ist auf die Nordseeinsel zurückgekehrt: Die Sylter haben nämlich nicht vergessen, dass auf ihrer Insel einmal eine Fußballmannschaft beheimatet war, die in der höchsten Klasse des Landes um sportliche Lorbeeren stritt.